Geschichtliche Abhandlungen

Von Reuschenberg im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg

von Hans Kunnes, Baesweiler
überarbeitet durch Bernd Reuschenberg, München 2012

Wappen von Reuschenberg

Bei dem Geschlecht von Reuschenberg handelt es sich um eine der bedeutendsten Adelsfamilie des Jülicher Landes. Seit Anfang des 15. Jahrhunderts gewannen die von Reuschenberg durch die weitreichende Verzweigung der Familie an Bedeutung. Nebenlinien bestanden zu Eicks und Rurich, Overbach und Roschette, Selikum, Luppenau und natürlich zu Setterich. Ihren Ursprung hatte das Rittergeschlecht auf Burg Reuschenberg nahe der heutigen Stadt Elsdorf. Bereits 1278 ist ein Ritter Cuno von Reuschenberg urkundlich belegt, allerdings reichen die Wurzeln der Familie weiter zurück bis in die Zeit um 1130. Spätestens ab dieser Zeit war Herimann cum barba Verwalter des klösterlichen Fronhofes zu Esch und zugleich Untervogt von St. Pantaleon zu Köln. Als Ministeriale dieses Klosters hielt er in Esch Blutgericht und musste daher auch über Tod und Leben entscheiden.

Siegel Wolter von Esch 1317

In der nachfolgenden Generationen entwickelten sich mehre Seitenlinien derer von Esch, wobei die von Reuschenberg als einzige Linie sich bis in die Zeit der französischen Revolution nachweisen lässt.

Ein direkter Nachfahre des weiter oben erwähnten Cuno von Reuschenberg hieß ebenfalls Cuno von Reuschenberg und war um 1380 Amtmann zu Bergheim. Er erhielt durch die Heirat mit Nesa von Setterich aus dem Hause Louvenburg (Lauffenburg) die Herrlichkeit Setterich. Nesa siegelte mit einem von Schindeln begleiteten, aufrecht schreitenden Löwen. Der Sohn siegelte mit dem Reuschenberg´schen Wappen (Querbalken überhöht mit drei Vögeln). Das Ehepaar hatte nur einen Sohn, nämlich Johann, der mit Catharina von Heinsberg verheiratet war. Catharina war eine Tochter eines Bastards von Johann II von Heinsberg-Loon und einer Engel de Pont.

Am 12.04.1439 teilten sich die Kinder von Johann und Catharina namens Conrad, Heinrich und Harper das Erbe ihrer verstorbenen Eltern. Conrad erhielt die Stammburg Reuschenberg mit Zubehör, Land zu Paffendorf mit den dazugehörigen Lehnsgütern bei Giesendorf. Heinrich fiel dagegen die Herrlichkeit Setterich zu und Harper einen Teil der Herrschaft Eicks bei Schleiden, welche nach seinem Tod seinem Neffen Heinrich von Reuschenberg zu Rurich vererbt übertragen wurde.

Alle Mitglieder, ihr Leben, ihre Besitzungen und ihre geschichtliche Bedeutung zu beschreiben, würde den Rahmen dieses Aufsatzes sprengen. Zwei Gruppen bedürfen aber einer besonderen Erwähnung: die Deutschordensritter und die Offiziere.

Es wirft ein außerordentlich günstiges Licht auf die Fähigkeiten und Leistungen der Herren von Reuschenberg, dass sie über Generationen wichtige Positionen im Deutschen Orden besetzten. Zwischen 1491 bis 1676 sind nachweislich acht von Ihnen zu Komturen des Ordens berufen worden.

Als einer der bekanntesten Deutschordensritter der Familie führte Heinrich von Reuschenberg zu Setterich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Reformen innerhalb des Ordens durch und stellte ganz im Geist der Gegenreformation ein umfangreiches Bildungsprogramm auf.
Geboren wurde er 1528 auf Burg Setterich als Sohn von Edmund von Reuschenberg zu Setterich und Philippine von Nesselrode. Am 9. November 1547 erfolgte seine Aufnahme in den Deutschen Orden; er machte dort eine glänzende Karriere. In den ersten Jahren war er Kellermeister in der Kommende Neuenbiesen in Maastricht. Ab 1550 bekam er die Aufsicht über die rheinischen Güter der Ballei Aldenbiesen. 1551 wird er Komtur der Kommende Ramersdorf bei Bonn. Von 1566 bis 1567 war er Komtur der Kommende Sankt Gilles (Ägidius) in Aachen. Ab 1566 wird er Stellvertreter des Aldenbiesener Landkomturs Johann von Goer und vollendet die im Bau befindliche Landkommende Aldenbiesen. Er kümmerte sich zusätzlich noch um die Kommenden Gruitrode und Siersdorf, die zu dieser Zeit nicht mit einem Komtur besetzt sind. Im Jahre 1572 wird er schließlich Landkomtur in Aldenbiesen. In diese Zeit ist auch sein Vorhaben einzuordnen, die im Jahre 1542 zerstörte erste Kommende von Siersdorf neu zu erbauen. Im Jahre 1578 ist es dann so weit: Heinrich von Reuschenberg, der auch Baumeister im Deutschen Orden war, erbaut die zweite Kommende in Siersdorf. Doch damit noch nicht genug: Er erbaut schließlich in Köln noch die Kommende Jungenbiesen, wo er dann schließlich am 30. März 1603 im Alter von 75 Jahren verstirbt.

Es gibt aber noch weitere bedeutende Männer des Hauses Reuschenberg:
1610 machte sich Johann von Reuschenberg zu Overbach und Rochette einen Namen als Verteidiger der Festungsstadt Jülich. Er trotzte einer Übermacht protestantischer Truppen verschiedener Nationen unter dem Kommando von Moritz von Oranien. Ohne Hoffnung auf Entsatz musste er jedoch nach knapp einem Monat kapitulieren. Er übernahm von seinem Vater Wilhelm das Amt des Erbmarschalls des Fürstentums Limburg und wurde nach der Belagerung zum kursächsischer Oberhofmeister ernannt.

Freiherrliches Wappen von Reuschenberg zu Setterich 1639

Während des Dreißigjährigen Krieges war Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich - ein entfernter Verwandter des erwähnten Johanns - ein ranghoher Offizier auf Seiten der Bayerischen und der Kaiserlichen Armee. Für seine Verdienste als Kommandant der Festung von Wolfenbüttel wurden er und seine Familie 1639 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Dabei wurde ihm auch ein freiherrliches Wappen verliehen, welches das Reuschenberg´sche, sowie das Settericher Wappen zeigt. Das schwarze Feld des Settericher Wappens ist dabei mit fünf silbernen Herzen belegt. 1645 hatte er schließlich zeitweise gemeinsam mit Johann von Werth das Oberkommando über die Bayerische Armee inne und wurde 1648 vom Kaiser zum Feldmarschall ernannt. 

Rund 50 Jahre später reiste Johannes Sigismund Freiherr von Reuschenberg zu Setterich, Domherr zu Hildesheim und Trier, sechs Jahre durch Europa und kaufte in Frankreich und Italien viele, zum Teil sehr seltene Bücher. Seine bedeutende Sammlung von insgesamt über 3000 theologischen und historischen Werken ist heute Teil der Hildesheimer Dombibliothek. Als überzeugter Anhänger der katholischen Lehre disputierte er mit Gottfried Wilhelm Leibniz, einem der bedeutendsten Philosophen und Mathematiker seiner Zeit, über religiöse und kirchliche Themen.

Den Frauen der Familie waren exponierte Positionen mit den entsprechende Möglichkeiten versagt geblieben. Einige von Ihnen zeichneten sich allerdings durch eine ausgeprägte Willensstärke aus. Anna von Reuschenberg zu Overbach etwa wurde vorgeworfen, als Äbtissin des Zisterzienserklosters zu Roermond, die strengen Ordensvorschriften zu vernachlässigen. Sie hatte offenbar eine andere Vorstellung von der Leitung eines Klosters und widersetzte sich hartnäckig.

Die willensstarke Äbtissin bat 1626 um die Genehmigung des Erzherzog dem Papst zu schreiben. Sie wollte das Kirchenoberhaupt davon überzeugen, das Kloster in ein adeliges Stift umzuwandeln.

Der Plan scheiterte und der Äbtissin wurde die Führung entzogen. Als diese nicht aufhörte ihre Nachfolgerin unmöglich zu machen, wurde sie schließlich zu einer Haftstrafe verurteilt. Die vermutlich dort erkrankte Anna von Reuschenberg verstarb schließlich am 15. August 1629 zu Aachen.

 

Quellen:


Annalen des Historischen Vereins für den Niederrhein, insbesondere die alte Erzdiözese Köln, Band 3, Heft 1, Bonn, 1905.
Arnold, Udo: Ritter und Priester, Acht Jahrhunderte Deutscher Orden in Nordwesteuropa, Alden Biesen 1992.
Bepler, Jochen: Johannes Sigismund Wilhelm von Reuschenberg († 1703) in: Kirche und Adel in Norddeutschland, Das Aufschwörungsbuch des Hildesheimer Domkapitels, Regensburg 2010.
Ehrenpreis, Stefan: Feldmarschall Johann von Reuschenberg auf Morsbroich. Ein adeliger Landsitz nach dem Dreißigjährigen Krieg, in: Niederwupper-Historische Beiträge, Bd. 14, Leverkusen 1994.
Kunnes, Hans: Die Siersdorfer Kommende: Eine Niederlassung des Deutschen Ordens mit europäischer Geschichte in: Die Deutschordens-Kommende Siersdorf. Eine Dokumentation zu deren Geschichte und Baugeschichte, Jülich 2006.
Ernst von Oidtman und seine genealogisch-heraldische Sammlung in der Universitäts-bibliothek zu Köln hg. v. Herbert M. Schleicher, Bd. 12, Köln 1997.
Nieuw Nederlandsch biografisch woordenboek hg. v. P.C. Molhuysen und P.J. Blok, Bd. 6, Leiden 1924.
Reuschenberg, Bernd: „Jesus Maria und kein Quartier!“ Johannes Ernst Freiherr von Reuschenberg zu Setterich in den Reichsfreiherrenstand erhoben in: Jahrbuch Nr. 2 / 2011-12 des Geschichtsverein Baesweiler, 2012, S. 29 - 33.
Reuschenberg, Bernd: Aufstieg der Familie von Reuschenberg - die Vorgeschichte, Teil 1 und 2, Mitteilungsblatt Geschichtsverein Baesweiler, Nr. 42/2012 und 43/2013.

 

Bildnachweise:

  • Abb.1: Wappen des Edmund von Reuschenberg zu Setterich (1530).
    Quelle: Bernd Reuschenberg nach einer Vorlage von: Das Wappenbuch des Reichsherolds Caspar Sturm bearb. von Jürgen Arndt, Neustadt /Aisch 1984, S. 115.

  • Abb.2: Siegelabdruck des Wolter von Esch (1317).
    Quelle: Fahne, Anton: Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechtern in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Teil 1: Stammfolge und Wappenbuch, Köln 1848, Tafel 2.

  • Abb.3: Freiherrliches Wappenschild der Familie von Reuschenberg zu Setterich (1639). Quelle: Bernd Reuschenberg.