Geschichtliche Abhandlungen

Notar Raths in Setterich

von Hans Kunnes, Baesweiler

 

In der heutigen Zeit kann man sich kaum vorstellen, dass es früher in Setterich einen Notar gegeben hat.

Wilhelm von Neuhoff, Komtur von 1649 bis 1676 auf der Siersdorfer Deutsch-Ordens-Kommende, verpflichtet den Kaplan Lambert Plum mit der Urkunde vom 1.Juni 1666 vor Notar Raths in Setterich zum Rentmeister und seinen persönlichen Sekretär (siehe Jülicher Geschichtsblätter Band 67/68 - Festschrift des Jülicher Geschichtsvereins 1999/2000 Seiten 687 bis 697.) Matthias Raths, öffentlicher Notar in Setterich, bestätigt die Richtigkeit der Urkunde.

Die folgende notarielle Urkunde vom 12. 10.1684 über die Verwendung einer Anniversarien-Stiftung (Jahrgedächtnis) für den verstorbenen Pastor Gerardus Offergelt wird ebenfalls von dem Settericher Notar beurkundet.

Gerardus Offergelt wurde im Jahre 1605 auf Gut Rötgen geboren. Sein Vater war Gottfried Offergelt, Halbwinner auf Rötgen und Schöffe zu Setterich, seine Mutter war Maria Roesgens. Gemäß Eintragung im Boslarer Kirchenbuch verstarb er am 14. April 1684 und war 57 Jahre lang Pastor in dieser Pfarrei. Vormals war er auch einige Zeit Professor am Kölner Laurentianergymnasium und Officiar zu St. Reinold in Köln.

Hypothekengläubiger waren der Bruder des Pastors, Leonardus Offergelt, verheiratet mit Catharina Kochs.Leonard Offergelt war Nachfolger seines Vaters als Halbwinner auf dem Hof der Commende Siersdorf,

Gut Rötgen und ebenfalls Schöffe in Setterich, einer Unterherrschaft im Herzogtum Jülich-Kleve-Berg.

Wortlaut der Urkunde:

"In Gottes Nahmen amen. Kundt und Zuwißen seye hirmit undt Krafft dieses, daß heudt dato den Zwölftten Monats Octobris des EinTausendt Sechß hondert Vier und achtzigsten iahrs vor mir offen-bahrem Notario, und dennen Hernach gl (genannten) Jenigen in aigener Person Kommen undt erschienen seye der Ersamer Leonardt Offergelt der Herschaftt Setterich Scheffen, und Hier anZeigendten zuerkennen gegeben, Waß gestalt sein Herr broder Gerardus offergelt Zeitlebens gewesener Pastor Zu Boßeler pro anniversario Zu freyaldenhoven ein Capital von Viertzigh Rthlr orden gehabt, gestalt daß die pensiones darvon iahrs Zwischen einem Zeitlichen Herrn Pastoren Zu gemeltem freyaldenhoven, vicarius, Cüsteren und der Kirchen aequaliter dividirt und getheilt werden sollten; Weilen aber die Herrn executores vorgemelten Herrn offergelt mit einer daZu von den erben verordneter obligation nit zufrieden gewesen, sonderen haben exprehs gewolt, daß darfür in loco nemblich Zu glm (gemeltem) freyaldenhoven eine hypothec undt Underpfandt von Lenardten offergelt gestelt werde; alß Herr gedachter Leonardt offergelt und deßen Haußfraw Catharina Kochs coram me Notario und Jenigen gelobt Und versprochen, globen und Versprechen auch hirmit von obangeregten Viertzigh Rdlhr iahrlichs die fallende Pensiones einem Zeitlichen Herrn Pastoren Zu glm (gemeldetem) freyaldenhoven gegen negß Künfttig iahr auff Tagh und datum des anniversary, und alsofort alle undt iedes iahrs wolZubeZahlen, unndt damit dan ein Zeitlicher Herr Pastor deßen ins Künffftig biß Zu der obläß, versichert sein und bleiben möge; Alß haben besagte Eheleuth Lenardt offergelt und Catharin (Kochs) darfür Jene geweßene unter(pfand) und hypothek benent .... vier morgen landts (andert) halben morgen in freyaldenhover feldt Zwischen Ungershausen allernegst des Hoffs Zu Ungerhausen Gewandt gelegen, einen halben morgen im selbigen feldt neben Arnoldten Winckens, unndt Emundten frawenroth gelegen und .................. Ubrigen Gereiden undt Ungereiden g......, alß darZu nöttigh sein magh, gestalt auff allen unser Hoffen miß beZahlungs fall sich darahn des Capitals der Viertzigh Rthr, rückstendiger pensiones Köst und schadenß holendt mit ... Zuerhollen,

Deßen haben beide Eheleuth auch auff alle und iede exceptiones freyheiten und Wolthaten Geist= und Weltli-chen rechtens, wie die auch nahmen haben, und hiergegen erdacht werden mögen, vorZeigen und renuncyrt, und Gedachte Eheleuth seindt auch erbietigh diese hypothek ieder Zeit auff erfordernis Gerichtlich realisieren Zulaßen.

Ita actum Zu Setterich auff iahr, Monat und Tagh als oben in gegenwardt Paulißen Hilger und Henrichen Claßen Alß hierZu beruffenen glaubwürdigen Zeugen, Und Zu mehreren bekrefttigungh dieses haben beide

Eheleuth dieses actum benebens mir Notario Unterschrieben:

Lenard offergeld  Inpraemihsorum fidem Cone subscripsit
Catharina Kochs   Matthias Raths Nots. Publicus"

Der Pastor Gerard Offergelt hatte seiner Heimatpfarrei Freialdenhoven zu seinen Lebzeiten ein Kapital von 40 Reichstalern gestiftet. Von der "Pension" (Zinsen) sollte nach seinem Ableben jährlich eine Messe gehalten werden. Den Ertrag aus dem Kapital erhielten der Pastor, der Küster, der Kaplan und die Kirche zu gleichen Teilen.

Das Kapital wurde gemäß der abgebildeten Urkunde von der Kirche an den Bruder des Pastors, Leonard Offer- gelt und seine Ehefrau Catharina Kochs mit Zustimmung der Erben des Pastors verliehen. Die Anspruchsberechtigten waren aber mit dieser bloßen Vergabe nicht einverstanden; sie verlangten eine hypothekarische Si-cherheit. Die Eheleute versprachen gemäß der vorliegenden Urkunde, jedes Jahr die anfallenden Zinsen zu zahlen und stellten aus ihrem Besitz Ländereien im Freialdenhovener Feld nahe dem Gut Ungershausen als Sicherheit zur Verfügung.

Die Urkunde wurde am 12.10.1684 in der Amtsstube des Notars in SETTERICH von Leonard Offergelt, seiner Ehefrau Catharina Kochs sowie dem öffentlichen Notar unterschrieben in Gegenwart der Zeugen

Paul Hilgers und Heinrich Claßen.

 

 

Quellenangaben:

Original-Urkunde von 1684 aus dem Pfarrarchiv in Freialdenhoven.
Unterlagen der Offergeld-Studienstiftung im "Historischen Archiv" der Stadt Köln, DOZA (Deutsch-Ordens-Zentral-Archiv) in Wien.