Geschichtliche Abhandlung

Albrecht Dürer

von Hans Kunnes, Baesweiler

 

Der berühmte Maler, Kupferstecher und Holzschnitzzeichner Albrecht Dürer wurde am 21. Mai 1471 in Nürnberg als Sohn eines aus Ungarn eingewanderten Gold- schmieds geboren. Er machte eine Lehre bei Michael Wohlgemuth. Dürer verstarb in seiner Geburtsstadt Nürnberg am 6. April 1528 im Alter von nahezu 57 Jahren. Er hat uns bedeutende Werke hinterlassen, denen auch seine Malerfreunde höchste Anerkennung zollten. Überall begegnete man ihm mit Ehrfurcht und Achtung.

Albrecht Dürer, Selbstbildnis im Prado in Madrid

Dürer beeindruckt uns noch heute durch seine genialen Werke aus der Renaissance: die apokalyptischen Reiter, Große Passion, Ritter, Tod und Teufel, die vier Apostel, Rosenkranzfest, die Melancholie, der Feldhase, Allerheiligenbild, Madonnen sowie seinen Selbstbildnissen. Nicht nur durch seine "betenden Hände" wurde er weltberühmt. Er hat auch einen Bericht von einer Reise durch unsere Heimat hinterlassen, von dem im folgenden noch die Rede sein wird.

Albrechts Dürers Reise durch das Herzogtum Jülich und die Niederlande
In den Jahren 1520 bis 1521 unternahm Dürer in Begleitung seiner Frau und Magd eine Reise in die Niederlande, wo er sich längere Zeit in der Stadt Antwerpen, die ein Hort der Kunst war, aufhielt. Er hielt die Aufzeichnungen in einem Tagebuch fest, aus dem in der Folge zitiert wird.

Die Reise wurde am 12. Juli (Pfingsten) des Jahres 1520 angetreten und ging durch das Tal der Regnitz über Erlangen nach Bamberg, dann den Rhein entlang über Schweinfurt, Würz- burg, Gmunden, Aschaffenburg und Frankfurt nach Mainz. Dort bewiesen sie ihm viel Ehre; und dann fuhr er am Montag nach Magdalena mit dem Schiff nach Köln, wo er am St.- Jakobstag (25. Juli) ankam und von seinen Anverwandten und Freunden reichlich beschenkt wurde.

Von Köln aus ging die Reise weiter durch das Jülicher Land direkt gegen Antwerpen, das stets "Antorff" genannt wird. Es ist auffällig, dass die Reisenden von Köln aus nicht die Hauptorte berührten, sondern ihren Weg über mehr abseits gelegene Dörfer nahmen. Dürer schreibt: "Danach fuhren wir am St. Pantaleonstag (28. Juli) von Köln in ein Dorf, das heißt Postorff ( Büsdorf); da lagen wir über Nacht und verzehrten 3 Weißpfenning (nach damaligem Wert etwa drei Mark). Und fuhren am Sonntag (29. Juli) frühe gen Rüding (Rödingen), da aßen wir zu Morgens und verzehrten 2 Weißpfenning (12 Pfennig hatten etwa einen Wert von 8 Pfennigen).
Darnach kamen wir gen Freyenaltenhoven (Freialdenhoven). Dort lagen wir über Nacht und verzehrten 3 Weißpfennig. Dann fuhren wir am 30. Juli (Montag) früh auf Frelndorff (Frelenberg) und kamen dann nach Gangolf (Gangelt). Wir aßen zu morgens in einem Dorf das heißt Süsterhyln (Süsterseel) und verzehrten dort zween Weißpfennig und 3 Heller (1 Heller = 1/3 Weißpfennig) . Darnach fuhren wir gen Zitta (Sittard), ein feines Städtlein. Jetzt ging es über die Maas und am Donnerstag, den 2. August langten wir in Antwerpen an."

Hier fand Dürer eine überaus ehrenvolle Aufnahme. "Am Sonntag, was auf Sant Oswalds Tag (5. August), da luden mich die Maler auf ihr Stuben mit meinem Weib und Magd und hätten alle Ding mit Silbergescherr und anderen köstlichen Gezier und überköstlich Essen. Es waren auch ihre Weiber alle da. Und da ich zu Tisch geführet word, da stund das Volk auf beiden Seiten, als führet man einen großen Herren."

Er wurde reich beschenkt und "also daß wir lang fröhlich beieinander waren, und spät in die Nacht da begleiten sie uns mit Windlichtern gar ehrlich heim und holen mich, ich soll ihren guten Willen haben und annehmen und selbst machen, was ich wollt, darzu wollten sie mir all behülflich sein. Also dankte ich ihnen und legte mich schlafen." Fast ein volles Jahr blieb Dürer in den Niederlanden, die meiste Zeit in Antwerpen, besuchte aber von dort aus fast alle größeren Orte und kam wiederholt mit Kaiser Karl V. und anderen hervorragenden Persönlichkeiten zusammen.

Er berichtet dann weiter: "Ich bin von Antorff gegen Ach (Aachen) gefahren am Pfingsttag nach Michaelis (4. Oktober) und hab noch ein Gulden und ein Nobel (ein flämisches Nobel waren etwa 9,90 Mark) mit mir geführt." Es ging von Maastricht und Gülpen; und Sonntag, (7. Oktober) langte er in Aachen an, wo er sich längere Zeit aufhielt, die Heiligtümer sah und die Bäder benutzte. Auch wohnte er am 23. Oktober der Krönung Karls bei. "Da hab ich gesehen eine herrlich Köstlichkeit, desgleichen Keiner, der bei uns lebt, köstlicher Ding gesehen hat."

" Ich bin dann von Ach gen Gülch (Jülich) gefahren und von dannen gen Ach zurück. Am Freitag der Simon und Judä (28. Oktober) bin ich von Ach geschieden und gefahren gen Düren und in die Kirche gewest, do Sanct Anna Haupt ist. Von dannen fuhren wir und kamen Sonntag, war Simon und Judätag gen Cöln. Ich habe zu Cöln auf dem Tanzhaus des Caisers Carls Fürstentanz und Bankett gesehen am Sonntag zur Nacht nach Allerheiligentag (1. November) im 1520. Jahr, das war köstlich zugerichtet. Und ich bin frühe von Cöln zu Schiff gefahren am Mittwoch nach Martini (11. November ). Ich hab 6 Weißpfennig für ein Paar Schuh geben. Ich hab 4 Weißpfennig dem Boten geben. Von Cöln schiffte ich auf den Rein gen Suns (Zons). Von Suns aus gen Nays (Neuß), von dannen zum Stain (Überfahrt bei Neuß), da lagen wir den Tag über. Darnach fuhren wir gen Düsseldorff, ein Städtlein, von dannen aus gen Kaiserswördt (Kaiserswerth), dann nach Doßperg (Duisburg) auch ein Städtlein, dann zwei Schloß Angrur (Angerort) und ander Ruror (Ruhrort), von dannen gen Arschoß (Orsay), dann Griberg (Rheinberg) und Wisell (Wesel) noch gen Reß (Rees) und von dannen gen Emerich und Nümweg (Nymwegen)." Am 22. November war er wieder in Antwerpen zu längerem Aufenthalt. Bei einem Ausflug auf der Schelde wäre er bei großem Sturm beinahe verunglückt.
"Am Samstag nach Ostern (6. April 1521) mit dem Hanes Lüder und mit Meister von Prevast, ein guter Maler von Prüg (Brügge) bürtig, von Antorff gen Prüg gefahren über die Scheld."

Am 7. April kamen sie in Brügge an, wo ihn die Goldschmiede, Maler und Kaufleute einluden. "mußt mit ihnen zu Nacht essen, schenkten mir und machten Kundschaft und thaten mir große Ehr. Und die zwei Brüder Jakob und Peter Mostert, die Ratsherren, schenkten mir 12 Kannen Wein, und begleiten mich die ganze Gesellschaft, mehr denn 60 Personen, mit viel Windlichtern heim."

Ähnlich erging es ihm am 9. April in Gent. "Und da ich gen Gent kam, da kam der Dechant (Bezirksleiter) von den Malern und brachte mit ihm die Vordersten (Vorsteher) mit in die Malerei, erboten mir große Ehr empfingen mich gar herzlich, boten mir an ihr gutes Wissen und Dienst und aßen mit mir zu Nacht." Am 11. April war er wieder in Antwerpen, wo er einige Tage krank lag.

Am 6. April besuchte er Mecheln und kehrte am 8. Juni wieder nach Antwerpen zurück. Am 2. Juli konterfeite er den König von Dänemark, der ihn auch zum Essen einlud. Am 3. Juli fuhr er gegen Brüssel, wo der König von Dänemark ein groß Bankett dem Kaiser, Frau Margarethen und Königin von Spanien gab, zu dem auch Dürer eingeladen wurde. "Und ich hab den König mit Oelfarben conterfeit, der hat mir 30 fl (Florint) geschenkt."

Am 12. Juli 1521 erreichte der Aufenthalt in den Niederlanden sein Ende. Er fuhr von Brüssel über Thienen und St. Trond nach Maastricht. Von dannen fuhren wir am Sonntag (14. Juli) früh gen Ach, do aßen wir und verzehrten zusammen 11 Stüber (1 Stüber etwa 80 Pfg). Von dannen fuhren wir gegen Altenburg (frühere Festung der Jülicher Grafen), 6 Stunden lang, denn der Fuhrmann kannte den Weg nit und ward irre auf dem Wege. Aber do blieben wir die ganze Nacht und verzehrten 6 Stüber. Am Sonntag (15. Juli) frühe fuhren wir durch Gülch (Jülich), eine Stadt, und kamen gegen Perken (Bergheim), da saßen und trunken wir und verzehrten 6 Stüber. Von dannen fuhren wir noch durch 3 Dörfer und kamen gen Cöhln."

Damit schließt das höchst interessante Reisetagebuch.

Quellen:

  • Rurblumen Jülich,
  • Prado Madrid.