Geschichtliche Abhandlungen

Gut Röttgen - erstmalige urkundliche Erwähung 1407

von Hans Kunnes, Baesweiler

 

Mit dem Pachtvertrag vom 4. Dezember 1652 hatte Wilhelm von Neuhoff, Komtur der Siersdorfer Kommende von 1649 bis 1676, das Gut Röttgen an Heinrich Johnen verpachtet. Der Halbwinner dieses wichtigen Gutes übernahm turnusmäßig auch das Settericher Gerichtsschöffenamt. Im Stadtinfo vom 25. April 1997 wurde bereits hierüber berichtet.
Im Düsseldorfer Staatsarchiv wurde jetzt eine Urkunde vom 20. Dezember 1407aufgefunden, in der das Gut Röttgen erstmals urkundlich erwähnt wurde. Damit ist auch ein Nachweis gelungen, wann das Gut in den Besitz des Deutschen Ordens gekommen ist.
Johan vame Greynde und Guetgin, Eheleute, verkaufen vor den Schöffen von Freialdenhoven dem Komtur Godart von Vlodrop auf der Kommende Siersdorf ihren Hof im Röttgen mit 3 Hufen und 18 Morgen Ackerland mit den dazugehörigen 2 Holzgerechtsamen im Walde Loe und mit den übrigen Apertinentien für die Summe von 3325 Mark kölnisch. Die schon großjährigen Söhne Goedart und Hugo verzichten für sich und ihre Erben auf das Gut. Es siegeln Johan vamme Greynde (kleines Siegel) und die Schöffen von Jülich mit dem großen Gerichtssiegel für die Schöffen von Freialdenhoven, die kein eigenes Siegel besitzen.

Gut Röttgen - urkundliche Erwähnung von 1407

Zitiert aus der Urkunde:

„Wir Johan vanme Greynde, ind Guetgyn, syne huysfrawe, vur unss ind vur unse erven, doen kunt ind kenlich allen luden, die diesen brieff soelen anseyn off horen leysen, dat wir mit unsme gueden vurdachten vurraede ind moetwillen, umb unsen ind unser erven groissen verderfflichen schaden zu verhueden, ind in reichter zyt doe wir`t reichter wale doen moichten, ind nutze ind stede was doe wir`t daiden, soe hain wir mit gesamender hant eyndreichtlichen vur unss ind unse erven ind naecoem-lingen mit eyme gantzen reichten stedigen kouff verkoufft ind verkouffen erfflich ind ummer me der Erwurdigen geistlichen manne Hern Goedart van Vlodorp Commendure des huyss van Seirstorp des Duytschen ordens in urber ind behoeff des selven huyss, unsen hoff erve ind guet mit alle syme rechte ind zubehoere gelegen in dem Roitgen, wie de selve hoff gelegen is binnen synen poelen miten drey hoeven artlantz ind mit eychtzein morgen artlandtz, ind darzu mit tzwen gewelden houltz dai by in der Loe gelegen ind vort mit alle syme rechte ind zubehoere........ Datum anno d(omi)ni mill(es)i(m)o quadrigencesimo septimo Sancti Thome Apostoli in vigilia." (Datum = 20.12.1407)

Bei dem in der Urkunde genannten Wald „Loe", handelt es sich um die „Lohe". Zwischen Siersdorf und Freialdenhoven lag früher ein zusammenhängender Eichenwald. Das Gut Röttgen im Bereich des inzwischen abgerissenen Elektrokraftwerkes erhielt seinen Namen aufgrund der in diesem Gebiet durchgeführten Rodungen. Röttgen gehörte vor 1800 zur Settericher Unterherrschaft im Herzogtum Jülich - Kleve - Berg und zur Pfarrei Freialdenhoven.

Quellen:
Urkunde Nr. 75 NRW-Staatsarchiv Düsseldorf; Bestand Altenbiesen, Kommende Siersdorf, Transcription der Urkunde durch Baron Carl Arnold von Broich, Schloß Broich, Montzen (Belgien).